Inside | «Immer bewegen und viel schiessen!»

29.07.2022, 10:00

Sandro Zangger ist nach einer zwölfjährigen Tournee durch die Schweiz heimgekehrt zu seinem Stammclub. Zwei Inputs von Trainer Stefan Hedlund und die Nestwärme haben ihn auf Anhieb zum spektakulären Schlüsselspieler der Lakers gemacht.

Powerplay der Lakers: Leandro Profico spielt die Scheibe von der blauen Linie diagonal durchs Angriffsdrittel. In der Nähe des linken Bullypunktes ragt Sandro Zanggers Stockschaufel in die Höhe. Direkt und mit viel Wucht hämmert er die Scheibe in die Maschen. Die Fans jubeln entzückt, und die Mitspieler herzen den strahlenden Torschützen. Diesen Spielzug, mit dem der NHL-Scharfschütze Alexander Ovechkin zwei Drittel seiner Tore schiesst, gab es in der vergangenen Saison bei den Lakers oft zu bewundern.

Zwar endete dieser Ablauf nicht immer mit einem Tor. Doch die Ausbeute von 14 Toren in einer Saison bedeutet für Zangger Rekord. Die Leistung ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, was er im Jahr zuvor erlebt hatte: 13. oder überzähliger Stürmer beim HC Lugano, 28 Spiele mit den HCB Ticino Rockets, die in der Saison 21/22 drei von vier Spielen verloren.

Wetzikon – Rappi – Zürich – Zug – Lausanne – Lugano – Rappi

«Ich könnte nicht glücklicher sein», sagt Zangger zum Ende eines biografischen Exkurses während des Gesprächs mit «Inside». Mit der Rückkehr zu seinen Wurzeln hat sich für den Spieler aus Bubikon ein Kreis geschlossen. Er ist wieder daheim, bei seiner Familie und seinen langjährigen Kollegen.

Zanggers Karriere fing 1998 als Vierjähriger in der Hockeyschule des EHC Wetzikon an. 1999 wechselte er in den Nachwuchs der SC Rapperswil-Jona Lakers. 2009 erfolgte der Wechsel zur U17 der ZSC Lions. Von der Ausbildung in der wohl besten Nachwuchsorganisation des Landes profitiert Zangger bis heute. «Wir hatten sehr gute Trainer, und der Konkurrenzkampf war gross», sagt er. «Meiner Entwicklung hat dies sehr gut getan. Ich habe viele gute Erinnerungen.» In Zürich lernte Zangger auch, wie man gewinnt: In sechs Jahren feierte er vier Meistertitel.

Vizemeister in Zug

Es folgten drei Jahre in Zug, 2017 die Teilnahme am Playoff-Final. Im Verlauf jener Playoffs skorte er in 16 Partien 8 Mal. Als Vizemeister wechselte er zu einer weiteren Destination am See, diesmal nach Lausanne. Zwei Jahre später der Wechsel nach Lugano. Dort setzte Trainer Sami Kapanen auf Zangger, und der dankte ihm das Vertrauen mit 0.5 Skorerpunkten pro Spiel.

Im Dezember 2019 wurde Kapanen entlassen, und mit dem Engagement von Serge Pelletier als Headcoach ging es für den Flügelstürmer bergab. «Er sagte mir von Anfang an, dass ich nur in der vierten Linie oder als 13. Stürmer spielen kann», sagt Zangger. «Zuerst hiess es, auf die neue Saison hin werde es einen neuen Trainer geben. Als dann mit Pelletier um ein Jahr verlängert wurde, wusste ich, dass es für mich schwierig werden würde.» Es folgte die eingangs angesprochene Saison zum Vergessen im Farmteam in Biasca.

Im besten Hockey-Alter

«Rappi war für mich immer ein Thema, ich hatte immer wieder Kontakt», sagt Zangger. Doch zuerst habe er etwas von der Schweiz sehen wollen. Jetzt, mit vielen Erfahrungen und im besten Hockey-Alter (27), kehrt er zurück zu seinen Wurzeln. «Ich habe in tollen Destinationen gespielt, jetzt haben wir uns gefunden, und ich habe einen Vertrag für zwei weitere Jahre.» Und es folgt der bereits zitierte Satz: «Ich könnte nicht glücklicher sein.»

Wie fand er in wenigen Monaten aus der grössten Krise seiner Karriere? Wie hat er es geschafft, seine Skorerwerte auf den bisherigen Bestwert von 27 Punkten in 46 Spielen zu schrauben? Gab es einen verborgenen Schalter, den sein neuer Coach Stefan Hedlund im vergangenen Sommer gefunden und gedrückt hat? 

Die Antwort ist verblüffend einfach und lässt sich in vier Worten ausdrücken: Immer bewegen, viel schiessen! «Stefan hat mir von Anfang an offen gesagt, was er von mir hält und was ich besser machen kann», sagt Zangger. «Seit er hier ist, höre ich ihn in jedem Training sagen: "Du musst viel mehr schiessen." Damit ich auch besser schiesse, trainiere ich diese Situationen sehr oft. Meist spielen mir Leandro Profico oder Sven Berger die Pässe zu. Manchmal ist es auch Roman Cervenka. Seine Pässe sind sehr gut, aber nicht immer einfach zu nehmen, weil sie sehr hart kommen. Richtig treffen, hart und präzis schiessen: Das funktioniert nur, wenn du es immer wieder übst.»

Immer Vollgas!

Auch an der zweiten von Hedlund geforderten Änderung hat Zangger hart gearbeitet: «Er sagte mir, ich müsse immer mit Vollgas skaten. Das ist sehr anstrengend, aber ein grosser Vorteil, weil du fast nie beschleunigen musst. So beschäftigst du deine Gegner beständig.» Dieses Ansinnen richtete Hedlund nicht nur an Zangger, sondern an die ganze Mannschaft: «Bereits in seinem allerersten Eistraining sagte er uns: "It's all about skating!"»

Wie hat Zangger das äusserst unglückliche Ausscheiden gegen Davos verkraftet? «Ich glaube, wir waren einfach zu unerfahren. Viele von uns spielten zum ersten Mal in den Playoffs, und mit Davos musst du immer rechnen. Die haben Spieler wie Ambühl oder Corvi – die wissen, wie man in solchen Situationen handeln muss.»

In der kommenden Saison bringen die jungen Spieler der Lakers etwas mehr Erfahrung mit. Was liegt drin, geht es diesmal bis ins Halbfinale? «Wir müssen bodenständig sein und dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen», sagt Zangger. «Das Ziel muss sein, dass wir die Pre-Playoffs erreichen. Alles andere nehmen wir mit Handkuss.»

Abenteuer Champions League

Zum Handkuss kommen können die Lakers unter anderem in der Champions League. Zangger hat – im Gegensatz zu fast allen seinen Mitspielern – bereits 13 Spiele in dieser Klasse absolviert. Er hat diese Erfahrungen bereits seinen Mitspielern schmackhaft gemacht: «Ich habe ihnen gesagt, dass es ein Riesenerlebnis wird. Wir können andere Städte und Teams kennenlernen, wir messen uns mit anderen Ligen. Das wird uns viel Spass machen. Und wir werden die Spiele in der Champions League sehr ernst nehmen.»

Den schnellen Flügelstürmer erwartet eine weitere Herausforderung: An der Fernfachhochschule in Zürich will er den Bachelor machen in Betriebsökonomie und Sportmanagement. Insgesamt neun Semester wird das Studium dauern, das in wenigen Wochen beginnt.

Als das Gespräch mit «Inside» beendet ist, setzt sich Zangger auf seine Vespa und fährt Richtung Bubikon. In den kommenden Tagen wird er weiter an seiner Kraft und Ausdauer arbeiten. In den sommerlichen Eistrainings wird er oft weit ausholen und die Pässe von Profico und Co. Richtung Tor dreschen. Vielleicht werden Zanggers weitere Fortschritte den Ausschlag zugunsten der Lakers geben, wenn eine Playoff-Serie wieder auf Messers Schneide steht.


> Hier geht’s zu Sandro Zangger auf Elite Prospects


Martin Mühlegg

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  • Publiziert am
    29.07.2022 10:00
  • Autor
    rsc
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